Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht das für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.
Islam, Ausspruch des Propheten Muhammad (Hadith)

Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
Christentum, Evangelium nach Matthäus 7:12

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Vertreterinnen und Vertreter der EKD und des KRM trafen sich in Wittenberg

Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Koordinationsrates der Muslime (KRM) haben sich am Dienstag (4. Juli) zu ihren jährlichen Konsultationen erstmals in Wittenberg getroffen. Der Ort wurde im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auch als gemeinsames Zeichen für ein friedliches Miteinander der Religionen gewählt. Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete den Religionsdialog mit dem Islam als wichtigen Teil einer „Lerngeschichte der Reformation“, die vor 500 Jahren von Wittenberg aus ihren Anfang nahm. „Freiheit bedeute immer auch die Freiheit der Andersglaubenden“, so Bedford-Strohm. Es gehöre zu den christlichen Einsichten, dieses Ja zur religiösen Vielfalt auch klar auszusprechen und zu vertreten. Der Sprecher des KRM, Aiman Mazyek, bedankte sich für die Einladung und gratulierte zum Jubiläum. „Eine solche Begegnung von christlichen und muslimischen Repräsentanten wäre vor 500 Jahren an diesem Ort noch unvorstellbar gewesen“, erinnerte Mazyek.

Nach einem Rundgang an die Ursprungsorte der Reformation in Wittenberg betonten beide Seiten die Notwendigkeit, mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen konstruktiv und friedlich umzugehen. Die Geschichte zeige bis heute, welch fatale Folgen es habe, wenn Menschen ihre Gottesvorstellungen mit politischer Macht oder brutaler Gewalt durchzusetzen versuchen. Der Gesellschaft müsse deutlich werden, dass die unterschiedlichen Religionen Christentum und Islam dem gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht im Wege stehen, sondern ihn mit aller Kraft befördern. Die jüngsten Attentate in Deutschland hätten zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen und die Debatte um religiös motivierte Gewalt und Zuwanderung verschärft. „Populisten und Rechtsextremisten versuchen diese Stimmungen zu nutzen oder gar zu schüren, dagegen müssen wir uns als religiöse Menschen, aber auch als Zivilgesellschaft insgesamt zur Wehr setzen“, forderte Mazyek. „Eine starke Zivilgesellschaft braucht auch in Zukunft starke und eigenständige Religionsgemeinschaften“, ergänzte der Ratsvorsitzende mit Blick auf die islamischen Organisationen in Deutschland. Gesprächsgegenstand war auch die gegenwärtige außenpolitische Lage, unter anderem das deutsch-türkische Verhältnis und dessen Auswirkungen auf das Miteinander in Deutschland. Die darin liegenden Belastungen für das Vertrauensverhältnis bestärkten die Teilnehmenden, umso mehr auf dem Weg der Verständigung und des Friedens weiterzugehen und dafür in der Gesellschaft einzustehen.

11.07.2017