Gott spricht: "Kind Adams, ich war krank und du hast mich nicht besucht." Der Mensch antwortet: "O Herr, wie kann ich dich besuchen, wo du doch der Herr der Welten bist?" Gott spricht: "Hast du nicht gewusst, dass einer meiner Diener krank war, und du hast ihn nicht besucht? Hast du nicht gewusst, dass du, wenn du ihn besucht hättest, mich bei ihm gefunden hättest?"
Islam, Ausspruch des Propheten Muhammad (Hadith)

"Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen." Dann werden ihm die Gerechten antworten: "... Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?" Darauf wird der König ihnen antworten: "Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Christentum, Evangelium nach Matthäus 25:36ff

Literatur

Riße, Günther

Der Islam in unserer Welt

Theologische Gedanken an der Grenze der Begegnung von Christentum und Islam

Paderborn: Bonifatius-Verlag, 2015

Im Garten der Religionen – mit diesem Bild eröffnet Riße seine Überlegungen zur Begegnung von Christentum und Islam.

Die großartige islamische Gartenkultur sei immer zugleich ein Bild gewesen für den Paradiesgarten. In dieser Vorstellung verbinde sich der Islam mit der jüdisch-christlichen Tradition des Gartens Eden. Ausgehend von diesem „Garten der Begegnung“ beschreibt Riße die Geschichte der Begegnung zwischen Christen und Muslimen als wechselvoll und von Zeiten der Toleranz und des Miteinanders genauso geprägt wie von Zeiten der Intoleranz und Gewalt. Eingehender wird die gegenwärtige Situation in Deutschland und Europa beschrieben. Für den Dialog fordert Riße fundierte Kenntnisse der anderen Religion, sowie die Bereitschaft, den Partner „als den zu erkennen, der er ist und sein will“.

Ein eigenes Kapitel steht unter der Frage: Der Islam – Religion der Gewalt oder Religion des Friedens? Dazu werden Koranstellen zitiert, aber auch die ältere und neue Geschichte durchleuchtet und die Folgen der Kolonialherrschaft westlicher Staaten in muslimischen Ländern benannt. Theologische Gespräche und Begegnungen werden eröffnet zu ethischen Fragen, wie sie aus jüdisch-christlicher Sicht in den 10 Geboten niedergelegt sind, ebenso wie Gespräche über Paradiesvorstellungen angeregt durch eine islamische Perspektive. An der Grenze der Begegnung, so ein Kapitel des Buches, steht die Rolle und Bedeutung der Person Jesu, die in beiden Religionen sehr unterschiedlich betrachtet wird, anders als Maria, seine Mutter, die in beiden Religionen verehrt wird und die Rolle einer Grenzgängerin übernehmen könne. Grenzgänger und Prophetinnen der Moderne wie Charles de Foucault, Jean-Mohammed Ben Abd-el Jalil und Louis Massignon eröffnen einen Blick auf heutige Dialogbegegnungen, die so Massignon das Ziel haben, nicht den anderen zu vereinnahmen, sondern Gast des andern zu werden, um ihn zu verstehen. Gleichzeitig bleibe der interreligiöse Dialog immer rückgebunden an Jesus Christus, das Heil der Welt.

Riße eröffnet mit seinem Buch eine gut lesbare Geschichte der Beziehungen der beiden Religionen und stellt verbindende und trennende theologische Themen aus einer katholischen Perspektive verständlich dar. Protestantische Beiträge fehlen und auch die islamische Sichtweise wird durch die Brille der katholischen Theologie präsentiert.

Erscheinungsjahr: 2015

Stichworte: Islam, Christentum, Theologie, Begegnung